Respektiert endlich meine Privatsphäre!

Hören Sie auf06.49 im Zürcher Stadtbus: Morgens bin ich nicht sehr kommunikativ. Leute die mich kennen wissen, dass ich bis 09.00 Uhr am liebsten alleine gelassen werden will. So sitze ich also nicht sehr „social“ im Bus und lese die neusten Nachrichten auf dem iPad oder dem Smartphone. Mit einem Abo von Tagi, NZZ und einigen Kitesurfmagazinen bin ich am Morgen ziemlich ausgelastet, was mein Informationskonsum angeht. Dazwischen immer mal wieder ein Blick auf 20minuten.ch, Twitter und andere Plattformen. Und dann merke ich plötzlich. Von Links stechende Blicke. Da wagt es wirklich ein mitfahrender Pendler, mir auf mein iPad zu starren und wohl mitzulesen. Frech! 

 
Komischer Weise hat mich früher, als ich noch die gute alte Papierzeitung dabei hatte nie gestört, wenn meine Mitpendler diese auch gelesen haben. So lange natürlich, bis ich meinen Leserhythmus nicht einem Langsamleser anpassen musste, der die Kurznews noch nicht fertig hatte, als ich bereits umblätterte und dies dann auch noch verbal ausgedrückt hat „ueh, no en momänt bitte, bi nonig fertig…“. 

Aber bei den elektronischen Medien auf meinem iPad oder Smartphone bin ich heikel geworden. Über die Gründe könnten wohl psychologisch geschulte Leser mehr wissen als ich selber. Für mich jedoch sind es vordergründig die folgenden Punkte, die mich stören, Mitleser zu haben:

  •  die elektronischen Gadgets gehören ausschliesslich mir und nur ich habe das Nutzungsrecht, darum habe ich ja sogar einen PIN-Code, um die Geräte zu starten und zu sperren
  • Smartphones und iPad sind Verlängerungen meines Haushalts, da lasse ich auch nicht jeden rein
  • ich habe auf den Geräten nicht nur „public content“ sondern auch sehr persönliches, wie Emails (evtl. sogar geschäftliche), Fotos, die auch nicht auf Facebook oder Twitter erscheinen und vieles mehr, dass Fremde nichts angeht

 Und so fange ich nun 2013 wieder an, die Zeitung physisch zu lesen, denn ich mag am Morgen einfach das Versteckspielen mit meinen mobilen Geräten nicht mehr.

 Freut Euch also, liebe Mitfahrer, meine Zeitung gehört wieder dem ganzen Bus.

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19 Kommentare zu Respektiert endlich meine Privatsphäre!

  1. cosima1973 sagt:

    Ich war früher bekennender Zeitungsmitleser… allerdings wäre es mir noch nie in den Sinn gekommen, auf ein Ipad oder Iphone zu linsen. Ich kann dir nicht mal sagen, weswegen, aber irgendwie finde ich diese Gadgets auch persönlicher als eine Papierzeitung. Mittlerweile habe ich das Mitlesen bei allem eingestellt und geniesse einfach das Nichtstun in den ÖV – einfach mal Zeit für mich.

  2. Hoffnung für die Medienbranche! Wenn Pendler voll auf „vintage“ machen und Papier lesen 🙂

  3. Victor sagt:

    Das sind halt die Tücken des ÖV’s. Da hat man keine Privatsphäre und so sollte man private Angelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit anschauen/durchführen/etc.. Nichts desto trotz verstehe ich den Punkt bestens, denn auch mich würde es stören wenn ich die Haare einer fremden Person in meinem Gesicht hätte.

  4. Tina sagt:

    Ich mag die papierzeitung! Da kann man sich am morgen gut dahinter verstecken, v.a. wenn man noch nicht so social ist 😉

  5. edith hossle sagt:

    was so durch meinen kopf geht, bringst du zwar nicht auf papier, sondern auf den bildschirm. okay, aber das papier muss ich ja entsorgen – uff, stinkt mir jedes mal – oder ich lasse es im zug oder im tram liegen. trotzdem – wie schön wäre es, wie früher einfach zeitung zu lesen!

  6. Mäge sagt:

    Kleiner Tipp, lese doch in deinem iPad mit der Zeitung als „Deckung“, da verwirrst du jeden „Mitleser“ früher haben Leute auch die NZZ assortiert bestellt (NZZ als Tarnung, drin der Blick), Allerdings hat sich da der Leser geschützt um nicht beim Blick lesen ertappt zu werden. Versuch’s mal bin gespannt, was passiert

  7. Caroline D. sagt:

    Interessanter Ansatz, ich bin halt meistens nicht unterwegs am Morgen. Das macht es einfacher:-) und jetzt weiss ich auch, warum ich definitiv ÖV vermeide und am morgen früh lieber in mein Auto sitze und Musik höre! Das gibt zudem gute Laune. Gruesse aus Winti!

    • swissroman sagt:

      Tja, die kleine Bubble im eigenen Auto ist schon recht gemütlich. Trotzdem, ich bin Fan des ÖV (mindestens in der Schweiz). In London war dies anders…aber da war das Auto ebenfalls gar keine Alternative.

  8. Roman Steinacher sagt:

    Lieber Roman, schreibt Roman

    Wenn du in einem 1.-Klasse Abteil der SBB sitzt – ok. Wenn du in der Business- oder First-Class eines „Flugis“ sitzt – ja. Aber ganz ehrlich … im Bus? Da nimmst du das Ganze etwas zu ernst.

    Roman mäkert.

  9. reginapaesch sagt:

    Hallo Roman!
    Vor zwei Tagen hatte ich mein Auto in der Werkstatt. Da hatte ich seit einiger Zeit wieder einmal die Gelegenheit, den Öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Da es am frühen Nachmittag war, waren besonders viele Schüler im Bus. Mir ist aufgefallen, dass es eine große Veränderung in der Kommunikation überhaupt gibt. Ich war auch ein „Fahrschüler“. Da ging es im Bus oder Zug ganz schön durcheinander. Wir haben schnell noch die letzten Hausaufgaben gemacht, Karten gespielt oder einfach nur gequatscht. Jedenfalls war es immer ganz schön laut. In diesem Bus aber war es ganz anders. Die Jugendlichen hatten fast alle ihre Handys auf dem Schoß. Auch saßen sie nicht so wie wir früher alle zusammen, sondern jeder, soweit es möglich war, auf einer eigenen Bank. IhreVerärgerung über das Mitlesen kann ich damit nicht nachvollziehen, da jeder auf sich fixiert war. Ich fand das, im Gegenteil sehr angenehm, denn im Bus war eine (fast unheimliche) Stille.
    Bis zum nächsten mal viele Grüße aus Thüringen!

  10. sufranke sagt:

    spannende Überlegung. Ich hab mir grad überlegt, ob das der Fernseh-Effekt ist. Wenn in einem Restaurant einer steht, kucken auch alle dahin, weil sich etwas bewegt (dachte ich immer) selbst wenn noch so Belangloses dort läuft.

    Menschen sind halt Voyeure, sonst würde Social Media nicht so laufen und Zuckerberg nicht auf die Idee mit der Social Graph Suche kommen.

    Dass dein iPad sich persönlich anfühlt kann ich gut verstehen und spätestens wenn wir mit diesen mobilen Geräten an der Kasse zahlen, wird mir das (zu) unheimlich.
    Und, Roman im Bus kann man eh nicht lesen, da wirds einem ja schlecht (oder ist das bei Papierzeitungen anders 😉

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