Nicht alles in einer Bank hat mit Geld zu tun – zum Beispiel Social Media

Eine Serie der Handelszeitung hat mich dazu animiert, einmal mehr in die Tasten zu greifen um über Social Media und Banking zu schreiben.

 

 

 

Thesen für Finazinstitute und Social Media

Die These 1 besagte, das Bedürfnis nach Schutz der Privatsphäre wird gross bleiben und die These 11 beschrieb die masslose Überschätzung von Social Media. Ich teile diese Meinungen nur bedingt.

Warum eine Bank Überlegungen zu Social Media machen muss

Social Media wird bei den Banken nicht zum Non-Event werden. Warum? Die ganze Generation der Digital Natives ist sich die neue Kommunikation so gewohnt, wie wir früher mal um 19.30 Uhr vor dem Fernseher sassen und die Tagesschau erwarteten. Bevor das TV „erfunden“ wurde, sass wohl keiner um diese Uhrzeit irgendwo vor einem Kasten und wartete auf irgendetwas…oder? Die Zeiten ändern sich und so ändert sich auch die Art der Kommunikation. Daher ist es auch für Banken ratsam, sich die sozialen Netzwerke genauer anzuschauen und zu überlegen, wie auf diesen der Dialog mit den bestehenden, aber auch mit potenziellen Kunden, gepflegt werden könnte. Die Betonung liegt hier übrigens auf Dialog! Social Media wird dadurch sehr effizient und somit meiner Meinung nach nicht masslos überschätzt.

Ich bin aber der Überzeugung, dass die Kunden längerfristig keine „echten“ Bankdienstleistungen über irgend eine fremde Social Mediaplattform abwickeln wollen. Vertrauen, Sicherheit, Zuverlässigkeit und oft auch Diskretion sind zu grosse Treiber bei der Wahl eines Finanzinstitutes. Womit ich bei der These 1 angelangt bin, der ich mehrheitlich zustimme. Über Geld spricht man eben doch nicht überall und mit jedem. Und wenn sich heute Bankkunden schon davon fürchten, dass ihre Bankdaten bei etablierten Instituten gestohlen und danach publik gemacht werden könnten, warum sollten sie sich dazu durchringen, ihr Vermögen auf irgendwelchen schnell wachsenden Plattformen verwalten zu lassen?

Was würde ich den Banken raten?

Es wird sich für die Zukunft lohnen, die sozialen Medienkanäle mit zielgruppengerechten Inhalten zu bespielen. Dies heisst aber auf keinen Fall, überall wo sich eine interessante Zielgruppe tummelt eine Werbebotschaft zu platzieren, sondern echten Dialog zu etablieren. Die neuen Generationen der Digital Natives sind sich gewohnt, immer und überall mit Anbietern in Kontakt zu treten. Sie wollen sich durch einschränkende Öffnungszeiten oder die Kanalisierung auf wenige Kontaktpunkte nicht einschränken lassen. Genau hier sehe ich die Chancen für Banken. Denn nicht alles, was in einer Bank passiert, hat direkt mit Geld zu tun. Meist liegt vor einem Bankgeschäft eine lange Serie von Beratungsgesprächen, Vergleichen und Tipps und Tricks. Genau diese können auf einer eigenen Social Media-Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Diese Form der Teilnahme in den sozialen Medien sehe ich für den Grossteil der Institute als gangbaren Weg, weil dieser das Informationsbedürfnis und das Bedürfnis nach Austausch mit dem Institut, aber auch mit anderen Kunden, befriedigt. Das Banking selber (also Börsentransaktionen, Zahlungen etc.) kann und darf meines Erachtens getrost auf der bankeigenen Plattform weitergeführt werden, ohne dass sich die Kunden gegenüber Drittparteien (z.B. Facebook) exponieren müssen.

Neue Institute werden entstehen

Warum habe ich oben „für den Grossteil der Institute“ geschrieben? Weil ich daran glaube, dass neue Technologien auch immer ganz neue Geschäftsmodelle nach sich ziehen, die wir heute noch nicht kennen. Und so schliesse ich absolut nicht aus, dass es in einigen Jahren reine Social Media Banken geben wird, die gute Geschäfte machen. Genau so, wie es heute bereits die Fidor Bank mit deren Peer-to-Peer-Modell tut, oder die ASB Bank, mit deren Facebook-Filiale (die wohl eine Schweizer Bank nie eröffnen dürfte…).

Time will tell!

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4 Kommentare zu Nicht alles in einer Bank hat mit Geld zu tun – zum Beispiel Social Media

  1. Besten Dank Roman für die treffende EInschätzung und Zusammenfassung.
    Ich glaube, die Krux bei den Banken liegt nicht nur darin, dass sie sich sehr unbeholfen in den neuen Medien bewegen, sie denken meist auch mit ausgefahrenen Scheuklappen nur in Facebook und nur in Vertrieb. Social Media kann viel mehr – Blogs, Chats, Foren, Wiki´s…..

    Eine Bank hat doch auch viel mehr zu bieten als das schöde Geldgeschäft – wie Du schon so schön beschrieben hast. Sie hat wie jedes andere Unternehmen eine Geschichte, engagiert sich bei sozialen Projekten, bildet aus usw. usw. usw. … genügend Futter für ein gutes Story Telling, wie ich finde.

    Allerdings – und hier erinnnere ich mich an meine eigene 8jährige Bankzeit zurück – sind die Strukturen recht starr und Flexibilität in den wenigsten Instituten zu finden. Social Media wird wenn, dann im Marketing oder in der PR-Abteilung aufgehängt und eingekapselt. Und das erschwert natürlich eine effiziente und nutzbringende Kommunikation in den neuen Medien.

  2. swissroman sagt:

    …und oft wiegt bei den Banken noch schwer, dass man halt über Jahre, nicht wirklich mit den Kunden gesprochen hat. Das muss wieder „angelernt“ werden. Aber es besteht Hoffnung!

  3. …und die stirbt ja bekanntlich zuletzt 🙂

  4. Tina Kropf sagt:

    Schöner beitrag zu einem schönen und topaktuellen Thema! 😉

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