Liegt die Zukunft von Banken in Social Media? Vielleicht, aber noch nicht jetzt…

Internet Banking-01 (xndr)

Internet Banking-01 (xndr) (Photo credit: Wikipedia)

Die Staatsschuldenkrise in Europa, die Verschuldung der USA und die befürchtete Stagnation der aufstrebenden Märkte bremsen im Moment das Bankwesen weltweit. Nun sehen viele in Social Media die neue Art des Banking erwachsen und damit einen Heilsbringer. Doch kann dies wirklich funktionieren?

Dazu müssen wir mal festhalten, was es überhaupt braucht, um jemandem Geld anzuvertrauen:

  • funktionierende Infrastruktur
  • Kreditgeber (Sparer)
  • Kreditnehmer
  • Marktplatz
  • Eigenkapital
  • Stabiles Rechtssystem

Diese Voraussetzungen braucht es, um wichtige volkswirtschaftliche Aufgaben wahrzunehmen. Dieses sind:

Ballungsfunktion: Banken poolen (sammeln) Gelder aller Grössen und „verpacken“ diese in wiederum kleine oder grösse Pakete. So werden aus kleinen Sparbeträgen grosse Kreditpakete.

Fristverlängerungsfunktion: Die ist die sogenannte goldenen Bankregel: „kurzfristige Gelder werden kurzfristig ausgeliehen, langfristig angelegte Gelder werden langfristig ausgeliehen. Dabei gilt es zu beachten, dass keine Liquiditätsprobleme entstehen und es muss auch beachtet werden, dass innerhalb einer Laufzeit sich auch die Zinsen ändern können. Somit Gelder etwa zu teuer oder zu günstig ausgeliehen oder entgegengenommen werden.

und dann noch der wichtigste Punkt, den wir ja seit der Bankenkrise von 2007 kennen:

Risikotransformation: Der Sparer vertraut auf das Wissen der Bank, vor allem die goldene Regel richtig anzuwenden. Denn dies garantiert dem Anleger auch, dass sein Kapital wieder zurückgezahlt oder verfügbar ist, wenn er es benötigt. Dazu bilden die Banken ein Kreditportfolio, welches überwacht wird und für welches gemäss Gesetz auch Eigenkapital vorhanden sein muss.

Daneben muss eine Bank noch viele Funktionen mehr übernehmen, so z.B. die Vertragsausgestaltung  und Administration der ganzen Gelder.

Und darin sehe ich genau das Problem, der aktuellen Diskussionen im Social (Crowd)-Banking: Das Vertrauen der Anleger.

Auch wenn wir erlebt haben, wie grosse Institute weltweit in den Bankrott schlitterten, hatten wir fast überall die  Gewissheit, dass die Staaten oder die vorhandenen Reserven die Gelder der Einleger sicherstellen. In dieser Zeit haben wir weiter erlebt, dass viele Gelder zu Staatsinstituten oder staatsnahen Banken transferiert wurden. Was war der Grund dazu? Ganz klar, man suchte Sicherheit und vertraute diesen Instituten am ehesten.

Wie haltet Ihr es mit dem Ausleihen von Geld? Oft wird ja nicht mal innerhalb einer Familie Geld verliehen, weil man einfach nicht will, diesem Geld nachzurennen, eventuell sogar einen Verwandten oder Freund zu betreiben, damit der offene Betrag wieder zurückfliesst. Dies heisst doch nichts anderes als, dass wir nicht mal den „Eigenen“ zutrauen, uns eine Schuld zurück zu zahlen.

Stellt sich also die Frage, ob eine Social Media Plattform es schaffen kann, das Vertrauen zu erlangen, dass benötigt wird um genügend Gelder anzuziehen, damit das System auch langfristig funktioniert. Ich bin der Meinung, dass eine schlichte Vermittlungsplattform von Kreditsuchenden und Kreditgebenden nicht langfristig überleben kann. Denn dies weist einfach zu wenig Sicherheit für den Anleger auf. Es ist doch schlicht eine Geschichte, über eine Community von einem Fremden einen Tipp zum Kauf eines Flachbildschirmfernsehers anzunehmen, eine ganz andere, einem Fremden sein hart erarbeitetes Geld für einen Autokredit zur Verfügung zu stellen und zu erwarten, dass dieses Geld auch wieder einmal zurück kommt.

Schafft es jedoch eine Plattform, im Stile von e-Commerce-Plattformen, die dem Käufer die Echtheit der Ware und die tadellose Abwicklung des Geschäfts garantieren (Ebay und Paypal zum Beispiel), dann könnte dies die Zukunft sein. Aber ob die Zeit heute schon reif dafür ist, das bezweifle ich im aktuellen Umfeld. Trotz der vielen Fehlleistungen der Banken weltweit, schlafen wir doch ziemlich ruhig im Wissen, dass das System schon lange funktioniert und wenn es nicht korrumpiert und ausgenutzt wird, unser Geld immer wieder verfügbar bleibt.

Selbstverständlich gibt es heute schon Banken, die das System optimiert haben. Zum Beispiel die Fidor-Bank. Dies ist ein Institut, welches das System schon ziemlich gut vorlebt, die Zeit wird jedoch zeigen, ob der eingeschlagene Weg richtig ist und wir, als Social Media User unser Geld in Zukunft solchen Instituten anvertrauen.

Und als letztes sei noch gesagt: Auch diese Institute werden Geld verdienen wollen, wie dies alle Social Media Plattformen auch als Ziel haben. „There is no such thing as a free lunch“.

Interessenten können in Zürich mehr erfahren: Socialmediagipfel

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15 Kommentare zu Liegt die Zukunft von Banken in Social Media? Vielleicht, aber noch nicht jetzt…

  1. Social Media enthält für mich drei Komponenten: Pflege der eigenen Identität, Pflege von Beziehungen, kommunizieren von Inhalten. Die Frage ist, ob mich bei Banken die eigene Identität und die Beziehungspflege wirklich interessiert: Sind nicht Identität (ich will mein Geld sicher und oder gewinnbringend anlegen) und Beziehung (die Bank soll mein Geld sicher und gewinnbringend anlegen und das diskret) nicht völlig festgelegt? Zudem ist gerade das kommunizieren von Inhalten gar nicht gefragt.
    Wenn es nun darum geht, dass mein Geld auf einem Marktplatz angelegt wird (wie der Ebay-Vergleich impliziert), also ähnlich wie bei KIVA als Kredit vergeben wird und dann gewinnbringend zurückkommt, so ist das heutige Geschäftsmodell der Banken unschlagbar: Nicht nur garantieren sie per Staatsgarantie die Sicherheit der Einlagen, ihr Geschäftsmodell basiert zudem darauf, dass sie angelegtes mehrfach vergeben können. Eine soziale Plattform wäre dazu nicht in der Lage und meines Erachtens nicht rentabel.

    • swissroman sagt:

      Herzlichen Dank für diesen sehr differenzierten Kommentar. Ich teile die Meinung vor allem dahingehend, dass die Plattformen heute (noch?) nicht in der Lage sind und noch zu wenig Vertrauen geniessen. Hoffentlich machen sich aber schlaue Strategen in den Banken Gedanken, wie das Geschäftsmodell in Zukunft aussehen könnte. Denn es geht ja nicht nur um Weissgeldstrategien, sondern darum, auch in Zukunft einen volkswirtschaftlichen Mehrwert zu erarbeiten und dabei auch noch den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich teile diese Bedenken und würde sogar noch einen Schritt weitergehen wollen. Bislang versuchen viele Banken, Facebook für die Kommerzialisierung des sozialen Miteinanders zu nutzen und ich bin der Meinung, dass diese Plattform dafür absolut ungeeignet ist. Zum einen, weil eben dieses Vertrauen der Nutzer durch die Datenschutz- und Privatsphäreprobleme stark erschüttert ist und eine Bank vor allem in Bezug auf den Datenschutz strenge Vorschriften einhalten muss und zum anderen, weil Facebook ein Netzwerk für Entertainment ist, auf dem die Nutzer ihren Spaß haben wollen und beim Geld hört der Spaß bekanntlich auf.

    Insofern würde ich die Headline gern erweitern:
    Liegt die Zukunft von Banken in Social Media? Vielleicht, aber noch nicht jetzt…und nicht auf Facebook.

    VG Jan

  3. Pingback: Banken und Social Media | (K)ein Traumpaar? | queo blog

  4. Simon Roth sagt:

    Ein aktuelles Thema, jedoch in seiner Vielschichtigkeit kaum zu überbieten.

    Viele Bankhäuser überlegen derzeit, wie sie Social Media für sich nutzen können und kommen dabei nicht über die punktuelle Lancierung bekannter Inhalte über neue Kanäle hinaus.

    Sie wollen dabei mit Ihren Kunden in Kontakt treten und wissen nicht, ob sie überhaupt mit Ihren potentiellen oder bestehenden Kunden sprechen. Sie sorgen über die neuen Kanäle für Visibilität, oft produziert über kreative Köpfe innerhalb des Systems die schwer kontrollierbar sind und den Vertriebskanal vor den Inhalt stellen. Das technisch Machbare ist Primat.

    Die Inhalte selbst kommen nach wie vor oft banal daher.

    Die Produktionsindustrie ist bereits viel weiter, denn es ist leichter über ein Produkt das fassbar ist zu sprechen.
    Jeder gibt heute gerne und freiwillig seine Meinung zu einem neuen Produkt eines Unternehmens übers Netz bekannt oder beurteilt überkritisch die Servicequalität eines Hoteldienstleisters (tripadvisor). Ungewollt werden die neuen Kanäle für diese Industriezweige relevant.

    Im Bankwesen ist die Angelegneheit hingegen kontrovers. Jeder gibt gerne seine Meinung zu einer Bank bekannt, ist aber nicht bereit über seine eigene Situation zu sprechen. Bankgeschäfte sind nach wie vor sehr persönlich und werden nicht in der Oeffentlichkeit breitgewälzt. Dies ist auch der Grund, dass die Bankindustrie in diesem Bereich rückständig ist.

    Die Frage für eine Bank ist nicht, was mache ich im Bereich Social Media. Das geschieht von selbst. Entweder über Dritte (youtube, Facebook, Wikipedia) oder über die kreativen Köpfe innerhalb der Bank, die das technisch Machbare sichtbar machen wollen. Dies mit dem Zweck wahregenommen zu werden, als Bank oder als Individuum.

    Die Herausforderung besteht darin, die vielen Ideen zu kanalisieren und bankinterne Guidelines für Social Media zu stetzen, die von allen produktiven Einheiten und kreativen Köpfen verstanden werden und dazu führen, dass alle Einzelmassnahmen im Bereich Social Media in ihrer Gesamtheit zielführend werden.

    Es steht viel Arbeit vor der Tür!

    • swissroman sagt:

      Lieber Simon

      Danke Dir für die sehr gute Analyse der aktuellen Situation. Es ist wirklich notwendig, dass die Banken beginnen, sich mit den Sozialen Medien auseinanderzusetzen. Die Gespräche werden eh geführt, dann machen wir das doch lieber auf unseren eigenen Plattformen, wo wir auch direkt Hilfe/Informationen/Tipps anbieten können. Und was die negativen Kommentare angeht, bin ich sicher, dass nicht alle Kunden schlecht von uns denken. Diese Kunden werden sich auch für uns einsetzen und sicher gewisse Sachverhalte richtig stellen. Was aber natürlich richtig ist, ist dass die Kunden sich nicht gerne outen und vor allem nicht über ihre Situation schreiben wollen. Das Bankgeheimnis, bzw. das Vertrauen, dass wir den Kunden entgegenbringen muss auf’s letzte gewahrt werden. Trotzdem bleiben noch viele Kontaktpunkte, die wir nutzen können um stetig weiter zu lernen und uns zu verbessern.

      Freue mich mal wieder auf einen echten Austausch mit Dir (echt im Sinne von Mittagessen…). Gruss Roman

  5. swissroman sagt:

    Hier findet Ihr eine sehr spannende Einschätzung mit vielen fundierten Daten zu Social Media und Finanzdienstleister. Danke an Jan! http://www.queo-blog.com/2012/06/banken_und_social_media_kein_oder_ein_traumpaar/

  6. sehr gern! Vielen Dank für die super Vorlage!

  7. Wie in der Diskussion beschrieben, h
    andelt es sich hierbei wirklich um ein sehr vielschichtiges Thema, dessen Diskussion im Rahmen eines Blogs nur angestoßen werden kann. Aber, die Diskussion ist notwendig, weswegen ich mich sehr darüber freue, dass das Thema grundsätzlich auftaucht, aufgegriffen und auch besprochen wird.

    Aus meiner Perspektive könnte die Fragestellung dieses Blogbeitrags auch lauten: Warum haben wir die FIDOR Bank gegründet?

    1. Social Media hat uns Mitte der 00-er Jahre gezeigt, dass neue, technisch basierte Angebote auch ein neue Nutzer- und Verhaltensgruppen mit sich bringen. Für uns, die wir im weitesten Sinne Retail-Banking betreiben, ist dies eine wesentliche Erkenntnis. Wir waren und sind uns sicher, dass diese Veränderungen auch beim „Geld-Verhalten“ der Nutzer nicht halt machen werden. Social Media bietet also die Möglichkeit für ein neu definiertes Bankangebot.

    2. Die Finanzkrise, die dann ab 2007 dazu kam, hat dieser damaligen Überlegung eine weeitere Notwedendigkeit aufgedrückt. Ein BAnking mit einem neuen Selbstverständis war nun das Gebot der Stunde, MUSSTE also angegangen werden.

    Was sollte ein derartig neues Angebot auszeichnen? Integration der Kunden und Nutzer, Interaktion mit den Nutzern, Transparenz, Authentizität und vieles mehr, alles Dinge, Umstände und Werte, die wir aus anderen Webbereichen kennen. Wichtigste Zielsetzung für unsere Interpretation des Community Bankings ist eine neue „Freiheit“ für den Kunden entscheiden zu können, ob er/sie den eigenen Finanzbedarf mit der Community oder mit der Bank deckt (crowdfunding, peer-to-peer-lending, peer-to-peer-options etc. etc) In eine Headline zusammengefasst ist es unsere Zielsetzung etwas aufzubauen, dass wir „GLOBAL PEER TO PEER BANKING“ nennen.

    Sind Banken in der Lage, dies ebenfalls abbilden zu können? Wohl kaum. Wichtigster Hindernisgrund dabei ist die hausinterne KULTUR, weniger die Technik – die aber auch.

    Wie paßt das nun zu dem hier diskutieren? Nun, ich glaube nicht, dass die Zukunft der Banken in Social Media liegt, wie die Eingangs-Frage suggerieren möchte. Ich glaube vielmehr, dass die Zukunft der Banken in einem kundenzentrierten Denken liegt und Social Media ein hervorragender Baukasten ist in dem sich alle Werkzeuge finden, kundenzentriertes Denken skalierbar, transparent und für alle da draußen nachvollziehbar leben zu können. Ich glaube auch daran, dass Finanzdienstleistung emotional sein kann und dies durchaus im positiven Sinne. Die „touchiness“ die man hierbei durch die Nutzung von zeitgemäßen Internet-Kanälen errreicht, ist ein Vielfaches dessen, was eine Filialbank erreicht. Ich glaube auch daran, dass die Kunden sich um ihr Geld kümmern müssen. Denn wenn sie sich nicht um ihr Geld kümmern, dann machen das andere. Wir das ausgeht können wir regelmäßig in der Zeitung lesen. Um jedoch aus dem Status eines „Finanziellen Analphabeten“ (den haben Finanzdienstleister durch ihre Kommunikations- und Produktpolitik erzeugt) heraustreten zu können ist social media hilfreich. Ich glaube daran, dass wie bei jeder guten Dienstleistung der Kunde ein Wort bei der Erstellung mitreden muss und können sollte. Und noch haben wir den Begriff DIENSTLEISTUNG in unserer Branchenbezeichnung…. denn wir sind Finanzdienstleister.

    Wie man erkennen kann sehe ich das also aus einer ein wenig anderen Perspektive. Die Kernfunktion von Banken, die ich aus Sicht des Kunden mit „Geld liegt gut“ und „Geld fließt gut“ umschreiben möchte, ändern sich dabei nicht. Sie müssen nur transparent, fair und nachhaltigkeitsorientiert ausgeführt werden. Bruce Cahan beschreibt dies beispielsweise in seinem Good-Bank Konzept sehr gut.

    Zusammenfassend: Social Media ist sicherlich nicht DIE zukunft der Banken. Aber: Wer glaubt, dass social media keine Zukunftsrelevanz für Banken hat, der wird diese auch nicht erleben.

    Beste Grüße
    M. Kröner

    PS: Es gäbe noch viel dazu zu schreiben…. 😉
    PPS: Wer ist eigentlich die FIDOR Bank? Chris Skinner beschreibt uns sehr beeindruckend auf http://thefinanser.co.uk/fsclub/2012/06/fidor-bank-from-one-extreme-to-another.html

  8. habe festgestellt, dass ich ein paar typos nicht berichtigt habe. sorry 😉 Sonntag nachmittag…

  9. swissroman sagt:

    Lieber Herr Kroener, herzlichen Dank für die Ausführungen. Wir werden dran bleiben und genau darauf schauen, was die Banken sich so überlegen, um den neuen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Ihnen weiterhin viel Erfolg!

  10. Lelala sagt:

    Insgesamt ist der Begriff „Social Media Bank“ doch eher irreführend?

    Eine Ausweitung und Einbeziehung auf/von „Social Media“ (als mittleweile [fest]stehender Begriff) in die Kommunikation, für die Positionierung sowie für die Produktentwicklung, macht aus keinem Geldinstitut eine „Social Media Bank“?

    Was würde denn eine „Social Media“ Bank genau definieren? Wo wäre die Abgrenzung zu einer (wie ich finde deutlich passender benannten) Institution, die sich als „Social Bank“ formuliert/positioniert? (Damit meine ich jetzt in diesem Kontext nicht die Ideen von Hr. Yunus 😉 )

    Fragen über Fragen…

    P.S.: passend hierzu auch der Handelsblatt Artikel (vom April 2012)
    http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/banken-in-social-media-das-social-media-dilemma/6444560.html

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